OSTFRIESISCHE ABENTEUER-BUCH-REIHE
 
VOM ALT-FEHNTJER THOMAS BALZEN

Der Hörfunk - Der Hörfunk



Achtung…

Hier spricht die Deutsche Mega Phone, Hamburg.
Werte Hörer …
es ist uns eine besondere Freude, Sie nun in unserem aktuellen Rundfunk-Programm begrüßen zu dürfen.

Seit der Mensch verstand, Töne in Worte, in Klänge und Melodien zu binden und nun sogar darüber hinaus jene Stimmen über weite Entfernungen zu übermitteln, ist die Welt

...wenn Sie uns diese kleine Feststellung gestatten...

um ein weiteres Wunder reicher geworden.

Und zugleich kleiner.

Denn Entfernungen sind nun nur noch relativ. Was eben noch in einem Hamburger Aufnahmeraum erklang, kann beinahe zur gleichen Zeit dort gehört werden, wo hinter den wehrhaften Deichen unserer deutschen Heimat der Horizont auf die stets schäumend drohende Nordsee und später auf den gewaltigen Atlantik trifft.

Eine Reise ins ferne New York ist in unserer Zeit des technischen Fortschritts nunmehr keine große Sache. Mit dem Ohr sind wir binnen weniger Augenblicke über die Empfangsgeräte dort und nehmen teil an einer Welt, die man sonst nur aus Büchern, Erzählungen oder den Lichtspielhäusern kennt.

Die Deutsche Mega Phone möchte Ihnen deshalb auch mehr übermitteln als Musik allein.

Aus unserem Hamburger Funkhaus senden wir Tanz- und Unterhaltungsmusik, Hörspiele, musikalische Charakterstücke und Klangbilder.

Wir berichten von Menschen und Begebenheiten, lauschen hinaus…

in Städte und Landschaften hinein

und bisweilen richten wir unser Mikrophon auf jene kleinen Dinge des Lebens, an denen man gewöhnlich achtlos vorübergeht, weil die neue Zeit uns drängt oder weil niemand die leiseste Vermutung hegt, dass auch im Kleinsten eine Geschichte stecken kann, die erzählt werden kann.

Einen besonderen Platz in unserem Hause nimmt das umfangreiche Schallarchiv der Deutschen Mega Phone ein.

Hier ruhen, mit der gebotenen, ehrfurchtsvollen Sorgfalt wohlgeordnet, all jene Aufnahmen unserer deutschen Künstler, Musiker und Ensembles in glänzendem Schellack verewigt, die für unser Rundfunkprogramm bewusst entstanden, aber auch andere, welche Augenblicke bewahren, Stimmen und Melodien, die wir für wert erachteten, der Vergänglichkeit zu entreißen.

An dieser Stelle darf angemerkt werden, dass unsere Archivare versichern, sie würden den Einstellort einer jeden Schellackplatte mit verbundenen Augen finden.

Die Direktion sieht gegenwärtig keinen Anlass, diese Aussage einer näheren Prüfung zu unterziehen.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass innerhalb unseres Hauses, neben weiteren Musikern, auch der Komponist Erhardt Sturm mit seinem Elektrischen Studio-Ensemble eine Heimat fand. Wo Sturm den Taktstock hebt, wird aus einer Idee sogleich eine körperliche Melodie, deren Bildgewalt uns hinaus auf eine phantastische Reise trägt: hinaus an unsere Küsten im Norden, Nordwesten und des Ostens, über Moore, tiefe Wälder und weiter durch Täler und Höhen im Süden mitten hinein in die Geschichten menschlicher Größen und unseres Landes selbst, aus Zeiten, die unsere Phantasie noch heute beflügeln.

Und so weisen Ihnen auch stets jene klangvollen Melodien den Weg in die leidenschaftliche und von neugieriger Jugendblüte erfüllte, abenteuerliche Welt des jungen Lausebengels aus der Hafenstadt Leer im Herzen Ostfrieslands, die der Schriftsteller Thomas Balzen so trefflich in seiner uns bekannten Form in seinen Werken illustriert.

Sie erzählen vom Erwachen eines Morgens auf Baltrum, vom geschäftigen Treiben in den Gassen und Häfen, von Wind und Wetter, von Fernweh und der Heimkehr und selbstverständlich von jener bemerkenswerten Sorte junger Herrschaften, deren täglicher Unternehmungsgeist gewöhnlich größeren Raum beansprucht, als das allgemeine Verständnis der Erwachsenenwelt für dessen Folgen.

Eine erste Auswahl dieser musikalischen Momentaufnahmen haben wir für Sie aus unserem Schallarchiv herauf ans Licht geholt.

Freuen Sie sich nun, gemeinsam mit uns, 

auf eine Ohren-Reise für die Sinne.

Denn darin, werte Hörer, liegt vielleicht eines der schönsten Versprechen dieses noch jungen Rundfunks: Beinahe grenzenlos den irdischen Fesseln des Alltäglichen für einige Augenblicke zu entkommen und neuerlich das Fliegen zu erlernen und Orte zu entdecken, die sonst unerreicht.

Die Deutsche Mega Phone Hamburg öffnet nun die Tore musikalischer Freiheit und lädt Sie gleichsam ein, mit uns hindurch und durch den Äther einer neuen Zeit technischen Fortschritts zu fliegen.

In diesem Sinne: Bleiben Sie auf Empfang und uns gewogen.

Sie hören Deutsche Mega Phone, Hamburg. 

Bei uns lernen Ihre Ohren fliegen.

Heinrich Groothusen , Sendeleiter und Ansager Deutsche Mega Phone Hamburg




DAS MIKROPHON HÖRT MIT


Unsere Kamera meldet sich aus Hamburg: Dr. Hermann Brandt prüft im Funkhaus der Deutschen Mega Phone die Neuerscheinungen.





Dr. Hermann Brandt sichtet die Programmliste für die nächste Hörfunksendung.

Erhardt Sturm's elektrisches Studio-Ensemble

„Das Mikrophon gestattet uns, feiner zu zeichnen. Nähe und Ferne, das Einzelne und das Ganze", so Erhardt Sturm in einem Interview mit der Peperboy Nachrichten Agentur Berlin vor wenigen Tagen.

Im Aufnahmeraum der Deutschen Mega Phone hat Erhardt Sturm mit seinem Elektrischen Studio-Ensemble dieser Tage die in unserem Hause neugeschaffene Titelmusik zum Lausebengel eingespielt. 

Die neuartige Komposition unternimmt den reizvollen Versuch, die sprachliche Atmosphäre der Erzählung in ein eigenes musikalisches Klangbild zu übertragen und so den Weg gewissermaßen vom Buche zum Ohr zu beschreiten.Sturm machte sich dabei die Möglichkeiten der neuen Mikrophonaufnahme besonders zunutze. 

„Wir müssen heute nicht mehr die ganze Aufstellung des Ensembles dem Aufnahmetrichter unterordnen“, bemerkte er während der Arbeit. 

„Das Mikrophon gestattet uns, feiner zu zeichnen. Nähe und Ferne, das Einzelne und das Ganze."


So erhält der Lausebengel neben dem gedruckten Wort erstmals eine eigene musikalische Stimme. Die Aufnahme wird in Kürze im Programm der Deutschen Mega Phone zu hören sein.


Dr. Hermann  Brandt,  Intendant


Reklame

Zeitungsannonce der Deutschen Mega Phone: Erhardt Sturms Titelmusik zum Lausebengel, Die neue elektrische Aufnahme.


Schallplattenhülle der Deutschen Mega Phone: Die Titelmusik zum Lausebengel von Erhardt Sturms Elektrischem Studio-Ensemble.



HÖRPROBE



DEUTSCHE MEGA PHONE
NEUAUFNAHMEN 1925

TANZ- UND UNTERHALTUNGSMUSIK

25 429
KÜSTENSTURM – Musik zum Galopp-Tanz
Erhardt Sturm's Elektrisches Studio-Ensemble

bekannt aus dem Tanzlokal COSMOS


A/B – zwei Fassungen ................................ 3,20 RM


GEFÜHLS- UND CHARAKTERSTÜCKE

25 430
RESONANZ DES HERZENS
Die erste große Liebe

Erhardt Sturm's Elektrisches Studio-Ensemble 

RESONANZ DES HERZENS Die erste große Liebe Erhardt Sturm's Elektrisches Studio-Ensemble

A/B – zwei Fassungen ................................ 3,20 RM


Aktuell finden die Aufnahmen zum Album "Schatten" in unseren Räumen statt. 

Erhardt Sturm und Thomas Balzen widmeten sich zuvor dem spannenden Thema Musik und Dramaturgie. In dessen Zusammenhang dürfen wir uns auf die musikalische Beschreibung ausgewählter Szenen innerhalb der Roman-Reihe Lausebengel, aus der Feder von Thomas Balzen, freuen.

AUS STURMS „JAHRESKREISMUSIK“

25 434
Frost über Lübeck
Aus der Jahreskreismusik
Erhardt Sturm's Elektrisches Studio-Ensemble

Frost über Lübeck Aus der Jahreskreismusik Erhardt Sturm's Elektrisches Studio-Ensemble

A/B – zwei Fassungen ................................ 3,20 RM

25 435
Eine Reise beginnt – Baltrum erwacht
Aus der Jahreskreismusik
Erhardt Sturm's Elektrisches Studio-Ensemble

A/B – zwei Fassungen ................................ 3,20 RM

Das Filmplakat zu Totentanz im Dockhafen

KLANGBILDER


25 432
ÜBER DEUTSCHEN GIPFELN
Erhardt Sturm's Elektrisches Studio-Ensemble
Elektrische Aufnahme unter besonderer Ausnutzung räumlicher Klangwirkung

A/B – zwei Fassungen ................................ 3,20 RM


25 433
STURMVOGEL
Flug über die See des Nordens
Erhardt Sturm's Elektrisches Studio-Ensemble 

STURMVOGEL Flug über die See des Nordens Erhardt Sturm's Elektrisches Studio-Ensemble

A/B – zwei Fassungen ................................ 3,20 RM

25 437
Totentanz im Dockhafen
Flug über die See des Nordens
Erhardt Sturm's Elektrisches Studio-Ensemble
 

A/B – zwei Fassungen ................................ 3,20 RM




Intendant und Vordenker der Deutsche Mega Phone, Dr. Hermann Brandt


EINE INFORMATION DER DEUTSCHE MEGA PHONE HAMBURG

Erhardt Sturm entführt uns mit seinem musikalischen Szenenbild „Totentanz im Dockhafen“ in jene eigentümliche Welt norddeutscher Häfen, die erst dann ihr wahres Gesicht zu zeigen scheint, wenn das reguläre Treiben des Tages lange verstummt ist. 

Ein nächtliches Schauspiel, dessen Gestalten nicht ganz ohne Grund das Licht zu meiden scheinen und wie Schatten durch eine parallele Weltordnung wandeln.

 Jener Grundton stetig lauernder Gefahr zieht sich dabei auch in diesem Musikstück von Anbeginn wie eine scharfe Klinge durch eine Klangwelt, durch eine Klangwelt, die Erhardt Sturm für das Album ‚Schatten‘ zur Romanreihe ‚Lausebengel‘ musikalisch nachzeichnet und welche wir Ihnen nun zu Gehör bringen. 

Erhardt Sturm vermag es dabei, den Hafen nicht lediglich hörbar werden zu lassen. 

Er macht ihn zu einem dynamischen Schauplatz. 

So entsteht für das „sehende“ Ohr ein musikalisches Szenenbild aus dem die Schatten jener nächtlichen Welt förmlich nach unserem Verstand zu greifen scheinen, um Beute zu machen.                        

Dr. Hermann Brandt, Intendant




( Erkennungsmelodie Deutsche Mega Phone )

Achtung…Achtung….

Hier ruft die Deutsche Mega Phone, Hamburg, 

auf Welle 425.


Es spricht: Werner Hensche…

vom mobilen Informationsdienst der Peperboy Nachrichten Agentur Berlin…

Sie hören heute einen Beitrag im Auftrage des Hörfunksenders Deutsche Mega Phone…

Werte Hörer, treten Sie heute…gemeinsam mit mir…dem heutigen Tage, wie einem Abenteuer gegenüber…einem Abenteuer, das wohl zu einem der großen unserer Zeit zählen darf.

Wir wissen noch nicht, was uns der Tag…es ist übrigens ein Donnerstag…der 17. September 1925 um genau zu sein…letztlich an neuen Eindrücken und Erkenntnissen bescheren wird…

Doch eines kann ich Ihnen sagen: Es wird spannend…

Denn heute geht der Rundfunk auf Tuchfühlung.

Wir sind in Ostfriesland…in der wunderschönen und eindrucksvollen Hafenstadt Leer in unmittelbarer Nähe zum geschäftigen Hafen.

Sie mögen es sicher selbst gerade hören…

denn das Mikrophon vor mir, steht wie ein Leuchtturm in der steten Brandung…frei und ganz auf sich gestellt…
ich meine den Wind, der soeben wie die auflaufende Flut des Wassers am Mundstück vorbeirauscht…

dass er hier, wo wir stehen, hin und wieder recht ordentlich geht, ist wohl der großen freien Dimension des Leeraner Hafenbeckens geschuldet…

ansonsten zeigt sich die aktuelle Wetterlage durchaus stabil…Wolken und blauer Himmel ziehen im mäßigen Tempo über uns hinweg…beinahe wie beim Bockspringen, wo in stetem Wechsel mal der eine mal der andere zum Sprung ansetzt…

gleichsam in der Symbolik des Wandels und der Vergänglichkeit…

und dieser Vergänglichkeit gilt es heute entgegen zu treten…

wie wir das tun wollen und können?

Nun…wir werden das, was wir in den nächsten Augenblicken, Minuten, Stunden erleben, mit Hilfe der neuartigen Rundfunktechnik dokumentieren und damit für die Ewigkeit erhalten…

Doch lassen Sie uns zunächst einmal gedanklich Schritt aufnehmen, Pläne schmieden, Träumen…hinein in die Zukunft und dann nachsehen, wie und was sich davon alles an diesem Tage verwirklichen wird…

Und da wird es spannend…denn just in dem Moment, wo Sie meine Stimme vernehmen, herrscht nicht nur Gegenwart…nein…wir befinden uns rückblickend auch in gewisser Weise bereits einige Schritte in der Zukunft, auf die wir…wenige Sätze zuvor…zusteuern wollten…

Lassen Sie mich die möglicherweise eintretende Verwirrung ein wenig entspinnen…

Dass ich überhaupt bei Ihnen daheim an den vielen Endgeräten zu hören bin, ist bereits ein klares Ergebnis eines jener Pläne, die wir schmiedeten, als wir uns überhaupt erstmals hier vor Ort mit der Sendung befassten…

denn der freie, fröhliche Gedanke allein reicht hier ja nicht…

Und so folgte die Hand dem Kopf.

Denn: es bedarf nun einmal einiger, realer, zielführender Tatkraft, um letztlich aus einer bloßen Idee etwas Reelles, etwas Greifbares zu gestalten.

Dazu bat ich unseren guten…und darüber hinaus stets bestens informierten…Fahrer und Techniker Johann Müller, einmal zusammen mit den Herren der Reichspost vor Ort eine Kabelverbindung von unserem Übertragungswagen zu einem stabilen Fernsprechanschluss im Rathaus der Stadt herzustellen.

Von dort aus sind wir mit dem Postamt am Bahnhof verbunden, welches bereits seit Mitte des 19ten Jahrhundert in beinahe rasantem Tempo zu einem wichtigen, technischen Ankerpunkt in der fernmündlichen Übertragung der Gegenwart empor stieg…

ein Segen für Handel, Handwerk und Gewerbe…deren wirtschaftliche Entwicklung damit gleichsam von Beginn in der Region an Fahrt aufnehmen konnte…verkürzen sich durch eine fernmündliche Warenbestellung doch beispielsweise deutlich Lieferzeiten

und erweitert sich das Sortiment nebst Angebot für den Verbraucher…

heute bestellt, morgen schon zu haben…könnte man sagen…

Das wir das Rathaus zu unserem Weggefährten für die heutige Reise in das Abenteuer der Rundfunktechnik erwählten, ist selbstredend kein Zufall…

hier darf ich unsere umsichtige und versierte Schreibkraft, das Fräulein Hannelore Janssen, einmal ins Blickfeld rücken…

unsere "Hanni" korrespondierte Tage zuvor mit den umtriebigen Stadtvätern und bat um Unterstützung und so stehen wir nun hier unmittelbar zu Füßen des noch recht jungen, jedoch in elegant repräsentativer, niederländischer Backsteinromantik errichteten Rathauses der Stadt Leer im Wind und Wasser umwogten Herzen Ostfrieslands.

Und ebenso elegant, wenn auch natürlich eher im Geschmack unserer Zeit gekleidet, präsentiert sich auch der oberste Diener der Stadt: Herr Dr. Erich vom Bruch….,

der…sichtlich…etwas ungeduldig neben mir steht und sich hier und da mit den Bürgern, die sich neugierig unserem Treiben näherten, in regem Austausch befindet…

Herr Dr. ….darf ich sie dann nun erlösen und ihnen für ihre außerordentliche Geduld danken…
ich kann mir vorstellen, dass Geduld zu haben und Ausdauer zu zeigen, sicher zu ihrem Tagesgeschäft gehört,

aber ich denke, es macht doch einen Unterschied,

ob man dies in der Gewissheit tut, die einem ihr solider Verwaltungsapparat zu den Aufgaben des Amtes verschafft

oder ob man, wie hier und jetzt…

einem neuen Medium unserer Zeit gegenüber steht, dass von einem nicht selten ein Höchstmaß an Spontanität bei gleichzeitiger Kontrolliertheit abverlangt…

denn gesendet wird, was und wie man spricht…

und tausende Hörer werden gleichsam zum Richter…

"Herr Hensche…ich kann sie beruhigen…auch das gehört zum geschäftlichen Alltag eines Bürgermeisters…ist man doch hinlänglich geschult durch die Vielzahl an Sitzungen, Ausschüssen, Tagungen oder dem täglichen, ungeschönten Kontakt mit der Bürgerschaft, die genau weiß, was sie will und dies auch ebenso unumwunden gleich auf den Punkt bringt…"

Ich höre schon…da habe ich sie wohl gründlich unterschätzt…

"Ja. Aber auch das ist Teil der Tagespolitik…wie ihnen das ein oder andere Mitglied unseres Bürgervorsteher-Kollegiums und den Reihen des Magistrates sicher bestätigen wird."

Dass man sie unterschätzt, meinen sie…?!

Was der Hörer nicht sehen kann: Herr Dr. vom Bruch nickt…mit einem Ausdruck verschmitzter Freude…

Nun denn…kommen wir auch in diesem Falle gleich auf den sprichwörtlichen Punkt:

Für die heutige Hörfunksendung des Senders Deutsche Mega Phone Hamburg, in dessen Auftrag wir uns hier eingefunden haben, sind wir Ihnen, Herr Dr. vom Bruch, außerordentlich dankbar für die freundliche Kooperation. Und ich meine hiermit nicht nur die zur Verfügungstellung eines Fernsprechanschlusses, sondern auch…

und da sollten wir die Hörer an dieser Stelle kurz einmal ins Bild setzen…

für den nächsten Schritt innerhalb unseres Abenteuers…ich denke hier an ein Ereignis, dass buchstäblich zum Charakter des neuen Mediums Rundfunk passt…

ich gehe mal sprachlich etwas voraus:…ein Brückenschlag…

"Ja, Herr Hensche…sie sprechen offenbar von dem anstehenden Bau der Brücke, die hier an dieser Stelle künftig den Hafen überspannen wird. Ein durch und durch notwendiger Schritt, den der wirtschaftliche Wandel unserer Stadt von uns fordert. Angesichts der Tatsache, dass sich der Galli-Viehmarkt innerhalb unserer Zeit zum größten Handelsmarkt seiner Art im gesamten Reich entwickelt, ist die Stadt ihrer Verpflichtung nachgekommen, die Infrastruktur für den Viehmarkt auf der Nesse deutlich zu verbessern. Gemeint ist dabei auch die Ausweitung des  Schienennetzes. Gleichzeitig schaffen wir mit dem dortigen Ausbau des bislang überwiegend klassisch, landwirtschaftlich genutzten Areals, dringend benötigten Raum für die Ansiedlung und den Ausbau heimischer Betriebe…als auch…Unternehmen aus Übersee."

Das hört sich nicht nur ambitioniert an…

wenn man sie, Herr Dr. vom Bruch…gestatten sie mir die Direktheit…eben hätte sehen können, mit welcher Entschlossenheit sie ihren Plan vortragen, zögert man keinen Moment, darauf zu vertrauen, dass ein solches Vorhaben auch gelingen wird.

Beim Wort Übersee möchte ich dann auch gleich einhaken, denn es führt uns unmittelbar zum nächsten Etappenpunkt unserer heutigen Sendung:

…ich nenne zunächst aber nur eine Zahl…365…

die Eingeweihten unter den vielen Hörern werden mit diesen Ziffern sicher auch einen Ort verbinden können…

doch wollen wir zunächst noch den Moment nutzen, Herrn Dr. vom Bruch, die Gelegenheit zu geben, ein weiteres Geheimnis zu enthüllen, bevor ihn die Pflichten seines Amtes zurück ins Arbeitszimmer des Rathauses zitieren…

werte ich den Blick ihres werten Baurates und die bemüht unschuldige Geste des Fräuleins mit dem Klemmbrett richtig…

Im Rahmen eines vom Hörfunksender Deutsche Mega Phone betriebenen Preisausschreibens anlässlich der aktuellen Sendung hier in der Stadt Leer hatten sie als geübte Amtsperson das Vergnügen auf ihrer Seite, gestern Mittag, vor den kritischen Augen unseres Kameramannes und Photographen, Herrn Herbert Rosen, den ich an dieser Stellen ebenfalls mit Freude erwähnen darf… sowie einigen Vertretern der lokalen Presselandschaft und Politik, den Gewinner aus dem Topf der zahlreichen Einsendungen zu ziehen.

Möchten sie den gespannt auf die Antwort wartenden Hörern nun bitte den Gewinner nennen?

"Gerne. Gewonnen hat der Rundfunkhörer Adolf Kleen."

Herr Kleen, machen sie sich auf was gefasst. Heute drehen wir den Spies einmal um und machen die Sendung von ihrem Zuhause aus. Doch zuvor…folgen wir wohl lieber erst einmal dem eindringlichen Zeichen ihres Bürovorstehers, Herr Dr.

"Herr Hensche, es war mir ein ausgesprochenes Vergnügen Teil der Sendung sein zu dürfen. Doch auch die neue Zeit lässt das Ticken nicht und so rufen mich die Pflichten meines Amtes. Ich wünsche Ihnen und der Sendung im Namen der Stadt Leer und aller politischen Instanzen weiterhin gutes Gelingen."

Ich danke ihnen…und auch für ihre Zeit…Herr Dr. Vom Bruch…

und da zieht er auch schon von Dannen…zügigen Schrittes unter der Einweisung seines gewissenhaften Bürovorstehers, nebst…dem netten Fräulein "Klemmbrett"
auch wir werden uns nun in Bewegung setzen und der Familie Kleen einen Besuch abstatten, denn auch bei uns drängt leider das unaufhörliche Vorrücken des Stundenzeigers zu entschlossenem und zügigen Handeln…

nicht zuletzt, weil Herr Adolf Kleen uns lediglich während seiner Mittagspause zur Verfügung stehen kann.

Dem Zufall sei Dank, befindet sich das Zuhause der Familie Kleen glücklicherweise nicht weit von unserem jetzigen Standort.

Genau genommen ist es tatsächlich gleich um die Ecke.

Wir müssen nur wenige Schritte die Königsstraße entlang.

Und da bekomme ich auch schon das Handzeichen von unserem Herrn Müller mit dem konzentrierten Blick auf die sekundengenaue Stoppuhr und dem von Fräulein Janssen wieder einmal in besonders schöner Handschrift notiertem Hinweis auf das, was nun kommt…

Werte Hörer die Deutsche Mega Phone übernimmt ab hier und begleitet sie mit Musik von Erhardt Sturm und seinem elektrischen Studio-Ensemble durch die kleine Redepause, die es braucht, um unseren Standort zu verlegen…

das erste musikalische Werk, das sie hören werden, trägt den recht passenden Titel "Eine Reise beginnt - Baltrum erwacht"…im Anschluss folgt noch ein weiteres Stück unter der Regie von Sturm aus der Kategorie Tanzmusik: "Küstensturm" Musik zum neuen Tanz unserer Zeit: dem Galopp. Ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung und melde mich in gut acht Minuten zurück.

( Musik… )

Und da sind wir auch schon wieder zurück…

Werner Hensche im Auftrag des Hörfunksenders Deutsche Mega Phone Hamburg…

Was wie ein Abenteuer begann, hält uns auch weiterhin sprichwörtlich in Atem…

Eskortiert von einer interessierten Schar Leeraner Bürger erreichten wir soeben das Haus, an dessen Eingang wir bereits erwartet wurden…vom Filius des Hausherrn…dem kleinen Wilhelm…

Nun werden sie sich sicher fragen, wie es sein kann, dass wir uns hier in der Stadt so offenbar sicher bewegen und dabei selbst uns im Grunde unbekannte Personen aus dem Lauf heraus mit ihren Namen ansprechen können, wo es sich doch um ein uns fremdes Terrain handelt…

und die Antwort darauf: Hanni…unser Fräulein Janssen…

Sie ist die rühmliche Heldin unserer Rundfunk-Expedition…nicht nur hier in der ostfriesischen Hafenstadt Leer…

wie auch schon mit den Stadtvätern weit im Vorfeld unserer Sendung geschehen, suchte sie bereits gestern Mittag, nachdem die Ziehung der Gewinner des Preisausschreibens erfolgte, eben jenen Adolf Kleen auf und bat ihn um eine kurzfristige Beteiligung an unserer Sendung…

Werte Hörer an den Apparaten:

Nun standen wir vor dieser fremden Tür, geleitet von den präzisen Pfaden unserer Hanni…
und mir kommt jener unsterbliche Satz Goethes in den Sinn:

‚Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan.‘

Wie Faust, der sich von visionären Kräften leiten ließ, suchen auch wir hier und jetzt den Schlüssel zu unserem Glück.

Und es ist uns holt…

denn auch Adolf Kleen Höchstselbst stürmte just in jenem Augenblicke auf dem Rad herbei…
die Hosenklemmen gekonnt im Lauf abnehmend, seine mittelbraune Aktentasche fest und geübt unter dem rechten Arm, eilte er schnurstracks zu uns in sein Heim, wo wir ihn erwarteten und begrüßte uns aufs Freundlichste…

zuvor folgten wir dem aufgeweckten Filius unseres Gewinners in das urige und gemütliche Zuhause in der Königsstraße, wo sich gleich drauf ungeniert und überaus neugierig, vorbei an der beschürzten Gattin, Frau Herta Kleen, der wohlvertraute und verführerische Duft von frisch gebackenem Marmorkuchen und Keksen den Weg aus der Küche zu uns bahnte.

Doch dessen ungeachtet, führt uns unser Weg nun zum Allerheiligsten in der guten Stuben.
Dem Ort, wo sich die ganze Welt im Kleinen trifft.

Ein Fensterplatz…der Blick zieht frei in eine Gasse…nimmt nur kurz Halt an einer Antenne, die wie der Deutungsfinger einer Hand gen Himmel weist…Kabel…ein Tischchen an der Wand, ein Stuhl…auf dem Tisch ein Logbuch mit Angaben zu Wellenlängen, die aktuelle Ausgabe des Programmhefts des Deutschen Rundfunks, eine Lampe für die stimmungsvolle, abendliche Erleuchtung, ein Rundfunkkopfhörer …und….natürlich ein AEG-Gerät, das selbst die größte Entfernung auf wenige Meter reduziert und damit die Welt unmittelbar ans Ohr holt…

Adolf Kleen, Kontorist der Firma Bünting hier in Leer…und Gewinner des Preisausschreibens des Hörfunksenders Deutsche Mega Phone…

was ist das für ein Gefühl, allabendlich, nach dem verdienten Feierabend und…ich vermute…bei einer guten Tasse Tee, die Welt bei sich zu Gast zu haben?

"Ja, wat sall ick seggen…oh…sull ick lever up hoogdütsk?...Ja…so habe ich es noch gar nicht gesehen. Aber sie haben recht…das ist schon interessant. Erst ist eigentlich immer nur Pfeifen und Zischen und hier und da fängt man dann Stimmen auf…die sind aber nicht immer klar…mehr wie Nebel, würd ich sagen…dann is't up eenmal heel still…nix, gien Muus of wat…und dann hörst du mit 'm Mal Musik van wieder weg…dann dreist du 'n bietje hier henn of dar henn un denn ist wunderbar…ja, dat darto…oh…nun hab ich doch platt gesprochen…hab ich ganz vergessen…"

Ach, das soll man wohl verstanden haben, Herr Kleen, sie haben ja nicht genuschelt…und sonst geben wir der Leitung oder dem Mikrophon die Schuld…

"Güstern was ick mit mien Lüsterlappen heel in Engelland…tomal hebb ick bi 't Dreihen London ut 't Lucht fisket."

Und da meldet sich auch schon der Filius zu Wort…lassen sie man, Herr Kleen…der Bursche ist schon richtig…London also?...und konntest du denn verstehen, was die sagten?

"Ich bün futt na Moder in 't Köken un hebb her darvan vertellt…un as ick torügg was, was dar blot Musik…ohn wat to proten…"

Ja, die Musik…Menschenskind das war ja dann eine Aufregung…und nun heute ist der ganze Rundfunk sogar bei dir Zuhause…da hast du aber morgen ordentlich was in der Schule zu erzählen…und da kommt sogar noch was dazu…

Unser Fräulein Janssen schiebt sich gerade in Sicht…und scheint etwas dabei zu haben, das wohl ihrer Aufmerksamkeit bedarf, Herr Kleen…

ich darf mal kurz den Hörern eröffnen:…ein Preisausschreiben ohne richtigen Preis, das wäre ja bloß eine halbe Sache…

also hat sich der Intendant der Deutschen Mega Phone, Herr Dr. Brandt Gedanken gemacht….und diese auch gleich mit der zuständigen Stelle bei der AEG geteilt…und heraus kam: 

…. ein brandneuer AEG-Holzlautsprecher für Neutrodyn-Empfänger im Wert von 85 Reichsmark…
was sagste nun, Wilhelm?

...ja…sprachloses Staunen und ein Grinsen, dass beide Ohren Besuch erhalten…was für ein Tag…als wäre der Weihnachtsmann höchstpersönlich schon mal gucken gewesen, was hier noch fehlt…nun kann auch die Mutti mithören…so wird Rundfunk zum Genuss für die ganze Familie…

"Danke. Dar harr ick ja nun so heel neet nich mit rekent…"

Hauptsache ihre liebe Frau findet nun noch die Zeit weiterhin so verführerisch duftenden Kuchen zu backen…sie nickt…und auch Fräulein Janssen gibt mir Zeichen…es wird Zeit…

Werte Hörer…ich hoffe, sie haben unser kleines Rundfunkabenteuer ebenso genossen, wie wir…wer weiß wo wir uns das nächste Mal hören werden…vielleicht melden wir uns schon bald vom Mond…wir leben in verrückten Zeiten mit einer Technik, die uns gewohnte Grenzen überschreiten lässt…bis auf eine…und das ist der ernste Blick unseres Technikers auf die Stoppuhr und die gut gemeinten, aber nicht weniger klaren Worte unseres Fräulein "Hanni", die sie wieder einmal höchst leserlich auf ihre Regiekarte für mich schrieb: Komm zum Ende.

Und damit schließe ich die Sendung…

und freue mich auf ein Stück Kuchen mit Ostfriesentee…

sie hörten eine Außenübertragung des mobilen Nachrichtendienstes der Peperboy Nachrichten Agentur Berlin im Auftrag des Hörfunksenders deutsche Mega Phone Hamburg…

bleiben sie auf Welle 425…

Ihr Werner Hensche…

Ich melde mich ab aus dem schönen Hafenstädtchen Leer und gebe ab an den Sender in Hamburg, wo bereits neuerlich Musik auf sie wartet.

( Musik )





Bis zur nächsten Veranstaltung. Bleiben Sie auf Empfang und uns gewogen.
Sie hören Deutsche Mega Phone, Hamburg.
Bei uns lernen Ihre Ohren fliegen.